Özgür, auch bekannt als Ötzi ist dieses Jahr wieder Speaker auf der Paleo Convention und arbeitet mit den Methoden der klinischen Psycho-Neuro-Immunologie an Athleten und Unternehmern. In seinen Impulsvorträgen stattet er seine Zuhörer mit strategischen Werkzeugen aus, welche den Alltag erleichtern.  Wie Willensstärke richtig eingesetzt wird und das Erlernte nicht in einer Diät endet, sondern eine Lifestyle-Veränderung hervorruft, erfährst du bei Ötzi.


Gibt es den Brunnen der ewigen Jugend wirklich? Schon ewig ist die Menschheit auf der Suche nach heiligen Quellen, Ritualen oder exotischen Bräuchen, die ihr die ewige Jugend oder die Untersterblichkeit versprechen. Im Rahmen meiner Recherchen bin ich auf die kuriosesten Dinge gestoßen, die unsere Vorfahren umsetzten, um grenzenlose Langlebigkeit zu erlangen. Welche Kreativität dieser Wahn freisetzt, werde ich hier nicht behandeln. Denn dieser ist teils völlig skurril und kennt bei einigen keine Grenzen.

Doch keine Sorge, ich werde dich weder an irgendwelchen Kristallen lutschen lassen, noch zu irgendwelchen Mondtänzen verführen. Auch wenn die Vorstellung sehr lustig wäre.

So gerne ich auch wollte, habe ich leider keine versteckte Wasserquelle finden können, aus der heiliges Zauberwasser fließt, das dich zum Adonis verwandelt. Doch ich habe einige Gemeinsamkeiten bei über 100-jährigen entdecken können, die ich dir hier in diesem Artikel vorstellen werde. Die Regionen, in denen diese Menschen leben, nennt man Blue-Zones. Die Schlüsselelemente aus diesen verschieden Regionen habe ich dir in einen Reiserucksack gepackt. Diesen Reiserucksack voller Werkzeuge für die Reise deines Lebens wirst du zum Ende des Artikels übermittelt bekommen.

Wie genau sieht dieser Reiserucksack aus? In den nächsten Zeilen werde ich dir hier wichtige Schlüsselelemente vorstellen, die Alterungsprozesse nicht aufhalten, jedoch verlangsamen können. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich dir jedoch zwei Dinge versprechen. Sollte ich irgendwann mal im Getümmel meiner Recherchen die Formel der ewigen Jugend finden, wirst du sie sofort von mir erhalten. Word up!!!

Und ich verspreche dir, wenn du die Schlüsselelemente aus diesem Artikel in dein Leben integrierst, wirst du auch im hohen Alter noch mental und körperlich total fit bleiben. Und falls du nicht zu unserer jüngeren Leserschaft gehörst, ist das gar kein Problem, denn auch für dich ist es nicht zu spät, das Optimum deiner mentalen und körperlichen Fähigkeiten rauszuholen.

Das klingt doch super, oder? Legen wir los:

Warum werden wir alt?

Zuallererst werden wir klarstellen, warum wir überhaupt alt werden. Das klingt vielleicht banal, ist aber sehr wichtig. Die Natur hätte uns auch nur auf eine Lebensspanne von 10 Jahren programmieren können. Hat sie aber nicht. Daher werden wir uns in diesem Abschnitt die evolutionären Gründe und Strategien des Alterns anschauen.  

Also – warum werden wir so alt? Komplizierte Frage, doch die Antwort ist simpel. Weil wir von allen Lebewesen die unselbstständigsten sind. Wenn wir auf die Welt kommen sind wir total abhängig von unseren Eltern. Wir können nicht gehen, wir können nicht alleine essen, wir sind nicht mal in der Lage unser kleines oder großes Geschäft alleine zu verrichten. Schauen wir uns Hühner und Kälber an, sind die uns in diesen Aspekten weit voraus.

Einfach ausgedrückt ist die Anwesenheit einer älteren Generation für das Überleben eines Säuglings elementar wichtig, damit es eine Selbstständigkeit als auch Überlebensfähigkeit erlangen kann. Ohne diesen Faktor hätte die Gattung Mensch einfach nicht überleben können. Wahrscheinlich denkst du dir jetzt, dass nach dieser Logik spätestens ab dem 30 Lebensjahr Feierabend sein sollte. Schließlich sollte man mit spätestens 30 Jahren seinen Nachwuchs selbst- und überlebensfähig aufgezogen haben,oder?

Doch auch hier hat sich die Evolution etwas dabei gedacht, uns noch älter werden zu lassen. Die Strategie dahinter ist die Übermittlung von wichtigem Wissen von der dritten Generation an die zweite Generation. Wie hätte der Mensch sonst erfahren sollen, welche Pflanze gut und welche Pflanze giftig ist. Wie man sich gegen bestimmte Raubtiere schützt, Werkzeuge fertigt etc. Der Mensch ist immer als Gruppe durch die Geschichte gezogen. Einen Ältesten in der Gruppe zu haben war elementar wichtig, um zu überleben, denn hier wurden wichtige Erfahrungswerte weiter tradiert, die in harten Zeiten über das Überleben der Gruppe entscheiden konnten.

Also zusammengefasst bedeutet das, dass wir Herdentiere sind, die unselbstständig auf die Welt kommen und abhängig von ihren Erzeugern sind, um eine überlebensfähige Selbstständigkeit zu erlangen. Damit die Gruppe gegen verschieden Reize der Umwelt gewappnet ist, ist das Tradieren von Wissen von den Ältesten für die Gruppe elementar wichtig um das Überleben zu garantieren.

Bewegung als Notbremse vor dem Altern

Wie schon ersichtlich ist, ist der Mensch schon immer in Bewegung gewesen. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes durch die Geschichte gewandert. Und hier liegt der Kern der Problematik. Heute laufen wir höchstens noch von der Couch zum Kühlschrank. Der Mangel an Bewegung macht uns krank und alt.

Einer der sogenannten Blue-Zones befindet sich in einer Region Griechenlands. Beim Thema Bewegung möchte ich auf diese Region eingehen. Denn dort hat man festgestellt, dass die Menschen in dieser Region täglich über 10.000 Schritte gehen. Warum das so ist? Nicht weil sie sich auf einen Halbmarathon vorbereiten, sondern weil es dort keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Das bedeutet, dass sie überallhin laufen müssen.

Bewegung ist also definitiv eine lebensverlängernde Maßnahme. Man hat festgestellt, dass es Korrelationen bei Menschen mit kaputten Hüften und kardiovaskulären Erkrankungen gibt. Die Zahlen sind gesunken, seitdem es künstliche Hüften gibt. Denn mit dieser Errungenschaft des medizinischen Fortschrittes ist die Bettlegerichkeit entfallen. Durch die Komponente der Bewegung sind bei den Betroffenen die kardiovaskulären Erkrankungen zurückgegangen. Irgendwie logisch oder?

Du merkst wie wichtig der Faktor Bewegung ist, oder?  Wenn es um den Faktor Bewegung geht, möchte ich auf einen bestimmten Botenstoff eingehen, der bei Bewegung freigesetzt wird. BDNF (Brain-derived neurotrophic factor). Falls du mehr über BDNF erfahren möchtest dann lies dir folgenden Artikel “Alles über den Hirnbooster BDNF” durch.

BDNF ist ein Botenstoff, der für Wachstum von Nervenzellen verantwortlich ist. Du kannst es als Düngemittel für die Neurogenese betrachten. Die Neurogenese bezeichnet die Bildung von Nervenzellen. Dieser Prozesse finden im Hippocampus statt. Und rate mal, bei welcher Krankheit diese Prozesse nicht mehr funktionieren. Lass mich dir noch ein wenig nachhelfen. Im Hippocampus werden unsere Erinnerungen abgespeichert. Jupp, Alzheimer.

Also abschließend bedeutet das, dass durch mehr Bewegung ein Botenstoff in der Muskulatur freigesetzt wird, der an unser Nervensystem kommuniziert, dass neue Erfahrungswerte auf uns zukommen. Dadurch wird die Neurogenese angeregt, sodass die neuen Erfahrungen optimal abgespeichert werden können. Ist das nicht ein fantastisches Modell? Das bedeutet, dass uns Bewegung nicht nur jung hält, sondern auch schlau. Ich liebe die Werke der Natur.

Ernährung – entscheidend ist nicht nur was du isst, sondern auch wie oft du isst.

Schauen wir uns jetzt bezüglich der Ernährung eine weitere Blue-Zone an. Japan.

Möglicherweise ist dir schon zu Ohren gekommen, dass in Okinawa die gesündesten Menschen leben. Ich werde hier nicht auf den hohen Fisch- und Algenkonsum eingehen. Auch wenn das ebenfalls ein wichtiger Faktor für unsere Gesundheit ist. Doch ich möchte hier auf etwas Anderes hinweisen. Und zwar auf die Mahlzeitenfrequenz.

In Japan ist es kulturell verpönt in der Öffentlichkeit zu speisen. Das führt dazu, dass die Mahlzeitenfrequenz oft nur bei maximal 2 Mahlzeiten liegt. Sie speisen bevor sie die Wohnung verlassen und wenn sie abends wieder die Wohnung betreten. Die Formel lautet wenig-oft. Dazu bewegen sich diese Menschen noch sehr viel im Freien auf dem Land. Das führt automatisch zu einer Kalorienrestriktion.

Bewegung + Kalorienrestriktion fördert die mitochondriale Biogenese.

Unsere Mitochondrien sind unsere Kraftwerke. Dort sprudelt unsere Lebenskraft in Form von ATP (Adenosintriphosphat). Ein ATP-Abfall bedeutet, dass unsere Kraftwerke nicht mehr richtig funktionieren. Und das führt zu einer frühzeitigen Alterung. Denn wenig Energie (im biochemischen Kontext) führt zu einer schnelleren Alterung unserer Systeme.

Um es nochmal festzuhalten: Eine Mitochondriale Dysfunktion ist einer der Hauptursachen für eine schnelle Alterung. Diese Dysfunktion kann durch einen ATP-Mangel entstehen. Weitere Gründe einer Mitochondrialen Dysfunktion, auf die ich nicht eingegangen bin, sind Toxine, Bakterien/Viren, freie Radikale und Zellmembranschäden. Ich bin hier lediglich auf die Mitochondriale Biogenese (Vermehrung und Verbesserung der Funktion der Mitochondrien) durch eine Kalorienrestiktion eingegangen.

Frankreich Paradoxon

Im Folgenden möchte ich auf Substanzen eingehen, die die mitochondriale Biogenese fördern. Jetzt wird es spannend. Vielleicht hast du schon einmal vom sog. “Frankreich Paradoxon “gehört? Nein? Nicht schlimm, denn dir ist bestimmt bekannt, dass ein Glas Rotwein gesund ist.

Genau auf diese Hypothese beruht das Frankreich Paradoxon. MANN stellte fest, dass Menschen aus einer bestimmten Region in Frankreich viel seltener von Kardiovaskulären Erkrankungen betroffen sind, obwohl sie zu jeder Mahlzeit Wein konsumieren. Wie geht das? Lebt dort etwa die nächste Stufe der Evolution? Schnell kam man einem Stoff auf die Schliche, der Resveratrol genannt wird. Untersuchungen weisen nach, dass er sogar antikanzerogene Wirkungen mit sich bringt. Wie der Mensch nun so tickt, wird dieses Substrat in eine kleine Kapsel komprimiert und wie wild über den gesamten Globus verteilt. Das genetische Wundervolk aus Frankreich lacht uns wahrscheinlich dafür aus, dass wir es uns so einfach machen. Ich möchte es mit zwei wichtigen Aussagen auf den Punkt bringen.

Resveratrol ist gesund und ruft tatsächlich eine mitochondriale Biogenese hervor. Aber Fakt ist auch, dass man ca. 12 Flaschen Wein trinken müsste, um genau diesen Effekt hervorzurufen. Und das ist toxisch. Wir können vielleicht diesen einen bestimmten Botenstoff, der in ca. 72 Pflanzen enthalten ist, in eine Pille packen und uns ein Kullerkeks darüber abfreuen, aber was wir nicht können ist das gesamte Setting aus der französischen Region in eine Pille zu packen. Denn was wir völlig ignorieren ist, dass diese Menschen dort zwar ein Glas Rotwein zum Essen GENIEßEN, aber dabei auch 2 Stunden lang sozial interagieren. Der Franzose ist ein Genießer und die soziale Interaktion, die dort in der Gruppe am Tisch stattfindet, lässt sich einfach nicht in eine Pille stecken. Wir sind immer noch Gruppentiere, die die soziale Interaktion in der Gruppe brauchen.

Fazit: Sich nur isolierte Substrate in Pillenform einzuwerfen bringt nichts, wenn wir einsam sind. Und genau damit möchte ich auf die nächste Säule eingehen. Die soziale Interaktion.

Warum uns der Austausch mit unseren Mitmenschen jung hält

Hier möchte ich erneut auf evolutionäre Hintergründe eingehen. Ich fahre total auf biochemische Vorgänge ab, aber die Strategien von Mutter Natur aus evolutionärer Sicht sind genauso gigantisch und manchmal sogar schlüssiger.

Klären wir erstmal die Frage, warum die Evolution das Gefühl der Einsamkeit gestattet. Warum lässt die Evolution so ein widerliches Gefühl zu? Jeder kennt es, jeder hat sich schon mal in irgendeiner Phase des Lebens einsam gefühlt. Und es fühlt sich einfach scheiße an. Warum gibt es dieses schlechte Gefühl, welche evolutionäre Strategie steckt dahinter? Ganz einfach. Ziel dahinter ist es, das du auf die Suche gehst und Teil einer Gruppe wirst. Denn zu Zeiten als wir noch Jäger und Sammler waren, wären wir alleine in der freien Natur Freiwild für jegliche Raubtiere gewesen.

Ohne Schutz der Gruppe wären wir ständig der Gefahr ausgesetzt von Raubtieren verletzt oder sogar verspeist zu werden. Dieses evolutionäre Konstrukt spiegelt sich sogar auf immunologischer Ebene wieder. Studien weisen nach, dass bei Menschen, die sich einsam fühlen, eine Immunkomponente dominiert, die für die Abwehr von Bakterien zuständig ist.

Warum das so ist? Weil evolutionär betrachtet bei Einsamkeit die Gefahr besteht, dass uns Raubtiere befallen. Wenn uns ein Raubtier beißt oder kratzt, besteht die Gefahr eines bakteriellen Befalls. Logisch, oder? Kratzt dich deine Katze, könnten Bakterien von ihrer Kralle in deinen Körper eindringen.

Wenn nun aufgrund der Einsamkeit diese Immunkomponente dominiert, bedeutet dies auch, dass andere Komponenten eher geschwächt sind. Das könnte dann zum Beispiel so aussehen, dass man eher für Erkrankungen anfällig wird, die immunologisch zuständig für die Abwehr von Viren ist. Das würde sich dann durch häufige virale Infekte äußern.

Um es auf den Punkt zu bringen: Einsamkeit macht krank. Eine innige Umarmung kann deinem Körper besser tun, als Vitamin C Tabletten oder grüne Smoothies.

Das erklärt auch die Frage, warum es in Blue-Zones so viele gesunde Greise gibt. Die alten Menschen werden in der Gesellschaft nicht ausgeschlossen. Sie sind immer teil der Gruppe und haben eine Aufgabe und Funktion innerhalb der Gruppe.  

Warum Meditation nichts mit Esoterik zu tun hat

Kommen wir zum nächsten Punkt unseres Anti-Aging Protokolls ;-)

Hier widmen wir uns der Regeneration auf einer leicht biochemischen Ebene. Zuerst möchte ich kurz auf den Faktor Schlaf eingehen. Ein guter und erholsamer Schlaf ist elementar wichtig für unsere Regeneration. Denn hier fährt quasi unsere körpereigene Müllabfuhr durch unseren gesamten Körper durch und räumt einmal ordentlich auf. Hier werden Abfälle weggespült. In unserer Schlafphase finden Zell und DNA-Reparaturen statt. Das ist für unsere Gesundheit elementar wichtig. Schnelles Altern hat auch immer etwas mit DNA-Mutationen zu tun.

Botenstoffe die vor Mutationen schützen:

L-Carnitin

Alpha Liponsäure

Q10

NAC

Ginkgo biloba

Melatonin (Schlafhormon)

Einer der wichtigsten Faktoren des Alterns ist die Telomerverkürzung. Telomere sind die Enden unserer Chromosomen. Falls du damit nichts anfangen kannst, stell dir die Enden eines Schnürsenkels vor. Und altern bedeutet nichts Anderes, dass mit der Zeit immer ein Stück der Enden deiner Schnürsenkel (Telomere) abgeschnitten werden und somit eine Verkürzung stattfindet. Haben nun die Telomere eine kritische Länge erreicht, wird der sogenannte Zelltod eingeleitet.

Und genau dieser Prozess ist limitiert. Doch was wäre, wenn ich dir sage, dass ein Enzym entdeckt wurde, der die sogenannten Telomerstränge wieder verlängert. Wäre das nicht gigantisch?

Halt dich fest, denn viel gigantischer ist wie sich dieses Enzym aktivieren lässt. Zum einen durch Meditation. Falls du eine Anleitung zum Meditieren benötigst, dann ließ diesen Artikel durch, worin du eine einfache Anleitung findest.

Eine weitere Methode, die Reparatur der Telomere anzuregen, ist der richtige Pegel unseres wichtigen Vitamins Vitamin-D. Aktuelle Studien belegen Korrelationen mit langen Telomeren und hohen Vitamin-D Werten. Irgendwie wieder logisch. Wir haben uns früher viel länger unter freiem aufgehalten Himmel, als sitzend in geschlossenen Räumen mit künstlichem Licht.

Wenn du jetzt noch eine Prise Curcuma in deine Ernährung integrierst, bauen sich deine Telomere schneller auf als unser Berliner Großflughafen (BER).

Die Landebahn für deine körperliche und mentale Höchstform im hohen Alter habe ich dir in diesem Artikel aufgezeigt. Darauf landen musst du jetzt selber ;-)

Um es nochmal zusammenzufassen: Wir machen es uns oftmals selber viel zu kompliziert. Wir können noch weitere 1000 Moleküle finden und ihnen komplizierte Namen geben, doch im Grunde wird es immer auf dasselbe hinauslaufen.

Bewege dich in der Natur, ernähre dich gesund, regeneriere vernünftig und umgebe dich mit deinen Liebsten.

Mögest du 200 Jahre alt werden.

Auf bald.

Ötzi