Mit „Die Kuh ist kein Klima Killer! Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können“ (6. Auflage 2016) sorgt sie seit über fünf Jahren nicht nur im deutschsprachigen Raum für Schlagzeilen. Die Zentrale These von Dr. Anita Idel ist: Rinder bewahren bei nachhaltigem Weide-Management den Boden und die biologische Vielfalt und wirken als Klimaschützer auf der Weide!  Zu Boden-Klima-Kuh&Co hat sie bisher über 300 Vorträge gehalten – viele davon im Ausland: USA (2011), Malaysia (2012), Argentinien (2013 und 2014), Indien (2014), Chile (2014), Norwegen (2015), Dänemark (2015), Österreich (2011-2016), Schweiz (2011-2016). Anita Idel arbeitet als Mediatorin und Consultant an der Ökologisierung der Landwirtschaft.

 Ihr Motto: Mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts Denken und Handeln in und fruchtbaren Landschaften!

Was ist für dich der Paleo Lifestyle?

Paleo Lifestyle, das ist – erst mal kein eye catcher, aber – ein ear catcher: Das klingt exotisch und erzeugt Aufmerksamkeit. Wenn dann der Fokus darauf kommt, eben nicht nur auf das Produkt zu schauen, sondern darauf, wie es entstanden ist, d.h. auf den Produktionsprozess, dann ist das schon mal der erste wichtige Punkt. Und dann: Lust machen auf leckere unverarbeitete Lebensmittel: Obst, Rohkost, Salat und wenn tierische Produkte, dann aus verantwortbarer Produktion bzw. aus verantwortbarer Jagd / verantwortbarem Fang.

Was wird der Schwerpunkt deines Vortrages sein?

Es geht bei meiner Arbeit generell um Potenziale – für die Erzeugung von Lebensmitteln / für die regionale Wertschöpung / für die Klima- Entwicklung >> für die Lebensqualität.  Es geht um so viel mehr als um Schadensbegrenzung!  Es geht statt um Schadensbegrenzung um eine verantwortbare, lebenswerte, enkeltaugliche Zukunft. Schadensbegrenzung bedeutet: weniger vom Schlechten. Wir brauchen aber etwas ganz anderes: ein anderes Agrarsystem. Und dazu braucht es Menschen, die denken und handeln in fruchtbaren Landschaften. Speziell geht es um das gigantische Potenzial nachhaltiger Beweidung für die Welternährung – durch die Förderung der Bodenfruchtbarkeit und der Biologischen Vielfalt und die Entlastung des Klimas.

Auf welchen Vortrag deiner Speaker-kollegen freust du dich am meisten?

Ich freue mich sehr auf die Vorträge von Sabine Paul und Christopher Cooke

Woran arbeitest du gerade?

Der Schwerpunkt meiner Arbeit auf verschiedenen Ebenen – Politik, Forschung, Ausbildung, Praxis:
Für Menschen wahrnehmbar zu machen, was bisher gnadenlos unterschätzt wird: Das gigantische Potenzial nachhaltiger Beweidung für die Welternährung – durch die Förderung der Bodenfruchtbarkeit und der Biologischen Vielfalt und die Entlastung des Klimas.

Was treibt dich an bei deiner Arbeit?

Verantwortung: Schliesslich ist es purer Glück und kein Verdienst (!) in einer Region dieser Welt zu leben, in die geflohen wird statt aus der geflohen wird. Wer wenn nicht wir könnte mit dem Weltretten beginnen?!
Lust: Ob in der Forschung, bei der Ausbildung, in der Politik oder in der Praxis: an etwas Sinnvollem zu arbeiten und nach und nach weltweit immer mehr Menschen zu erreichen, ist soo befriedigend. Die ökologischen Potenziale sind riesig, aber sie werden nicht wahrgenommen.

Welches Werk Buch kannst du empfehlen bezüglich gewinnbringender Erkenntnisse rund um Gesundheit?

„Darm mit Charme“ von Giulia Enders, weil sie es auch schafft, Menschen „mitzunehmen“.

Welchen Ratschlag würdest du jemandem geben, der sich entscheidet sein Leben nach Paleo auszurichten, aber Probleme bei der Umstellung/ beim Einhalten hat? 

Gar nicht erst warten, bis Probleme kommen, sondern sich vorher schon mit anderen zusammentun – mit Neulingen ebenso wie mit alten Häs*innen.

Nenne uns ein Lebensmittel, das dir spontan einfällt, das für eine gesunde Ernährung unabdingbar ist.

Die Mischung macht es!

Wie würdest du den aktuellen Trend in der Klimapolitik der Bundesregierung kurz bewerten?

Desaströs. Im Sinne der Förderung von Potenzialen in der Forschung, in der Ausbildung, in der Umsetzung in die Praxis, passiert für den Bereich Landwirtschaft fast nichts.
Schlimmer noch: Die sogenannte Bio-Energie – Energie vom Acker, hat nichts mit Bio zu tun. Die Zwangsbeimischung von sogenanntem Bio-Diesel wirkt hochgradig kontra-produktiv. Das hat das EU-Parlament schon 2009 erkannt.
Nicht nur für die Klima-Politik gilt: Förderung erfolgt in der Regel im Sinne der Schadensbegrenzung: d.h. weniger vom Schlechten. Statt dessen benötigen wir alle Kraft voraus – Geld und Hirnschmalz, um einen Systemwechsel zu organisieren. Das bedeutet im Energie-Bereich: Ursachenvermeidung. Und in der Landwirtschaft: Multifunktionalität; von der Natur lernen, denn alles hängt mir allem zusammen.

Bist du zufrieden mit deiner persönlichen Klimabilanz? :-)  

Ja, mit der Tendenz. Und natürlich gilt für mich, was für alle gilt: Da ist noch viel Luft nach oben.